Freitag, 17. Dezember 2010

San Francisco

So, da bin ich nun also seit Mittwoch in San Francisco. Und so sieht die Golden Gate Bridge bei Regen aus.

Ja, seit heute regnet es nun und das soll laut Wetterbericht auch die nächsten drei Tage noch so weiter gehen... Ich werde also ein paar gemütliche Hosteltage verbringen. Eigentlich hatte ich vor in den Yosemite Nationalpark zu fahren, in den Schnee. Aber auch dort regnet es und meine kurzfristige Recherche, wie das Wetter an der Westküste sonst so aussieht, hat bis runter nach San Diego Regen ergeben. So ist das dann also, aber da man in Hostels sehr verschiedene, nette und interessante Leute kennenlernen kann, wird es vermutlich halb so schlimm.
Die Zugfahrt hierher war super schön. Ich bin mit einem Tag Verspätung in Denver losgefahren. Als ich am Montag morgen in Denver am Bahnhof ankam, wurde der Zug mit 6 Stunden Verspätung angekündigt. Das hätte geheißen, dass ich auf sechs Stunden Zugfahrt bei Tageslicht durch die Rocky Mountains hätte verzichten müssen. Also habe ich umgebucht, was aufgrund der Verspätung natürlich auch kein Problem war. Die Fahrt ging dann also am Dienstag pünktlich los und hier nun mal ein paar Zugbilder. Der Zug von Chicago von San Francisco fährt wie die meisten Langstreckenzüge einmal am Tag. Wer mit dem Zug fährt, muss Zeit haben, denn es sind keine Schnellzüge, auch wenn sie nicht besonders oft halten. Zugverspätungen sind relativ häufig, aber es passiert ebenso, dass der Zug zu früh am Bahnhof ist und dann bis zur offiziellen Abfahrtzeit eine halbe Stunde am Bahnhof steht. Der Reisekomfort ist deutlich höher als bei uns. Die Sitze sind breiter, sie haben ein hochklappbares Fußteil und deutlich mehr Beinfreiheit. Da zur Zeit nicht Hauptreisezeit ist, hatte ich Glück und bei meinen Übernachtfahrten immer zwei Sitze, so dass ich mich mit hochgeklappten Fußteilen nachts ganz gut darauf zusammenrollen konnte. Ach, und dann kann man übrigens vor der Reise sein Gepäck aufgeben und am Zielort wieder in Empfang nehmen, auch sehr praktisch.
 Hier also ein Bild vom bereits im letzten Blogg erwähnten Sightseeing-Wagen. Er befindet sich über dem Bistro und ist nett zum gucken und zum quatschen.

Zum Schluß noch eine kleine Außenansicht. Da die Bahnsteige häufig zu niedrig sind, stellen die Zugbegleiter, von denen es immer einen pro Wagen gibt, die netten gelben Fußbänkchen an die Tür und stehen dann auch daneben, wenn die Leute aussteigen.
Schlafwagen kann man immer nur für zwei Leute buchen, was mir dann zum einen zu teuer und zum anderen auch ein wenig einsam gewesen wäre. Wer Schlafwagen bucht, bekommt automatisch alle drei Mahlzeiten im Speisewagen. Für das Dinner geht ein Mitarbeiter des Speisewagens durch den Zug und nimmt Reservierungen entgegen. 
Meine Zugfahrt hat mich also am Dienstag überwiegend durch die Rocky Mountains geführt, wobei vor allem die verschiedenen Canyons sehr schön waren. Das Fotos machen habe ich im Laufe der Fahrt zunehmend aufgegeben, da sich die Landschaft insbesondere vom Zug aus mit dreckigen Fenstern und spontan auftauchenden Strommasten oder Bäumen, dann doch nur recht schwer einfangen läßt.






Es gab weniger Schnee als ich erwartet hatte, den gab es dafür am Mittwoch morgen bei der Fahrt durch die Sierra Nevada

 Nach Fahrt entlang Orangenhainen und entlang des Bay sind wir in San Francisco am Ende bei einem wunderschönen Sonnenuntergang angekommen.  Wahnsinn!
Gestern bin ich dann einfach mal ein wenig durch San Francisco gebummelt, um mir einen ersten Eindruck zu verschaffen und habe am Union Square unter macey's Weihnachtsbaum in der Sonne einen Kaffee getrunken...


Sonntag, 12. Dezember 2010

Boulder - am Fuße der Rocky Mountains

Am Mittwoch habe ich den Zug, der von Chicago bis nach San Francisco fährt genommen und bin bis Denver gefahren. In der Warteschlange für den Zug in Chicago standen die ersten Hippies mit Rucksack, Rasterlocken und Guitarren. So wußte ich gleich, dass ich in der richtigen Schlange warte.
Von Denver aus ging es für mich 40 Minuten mit dem Bus nach Boulder, wo ich bei Cindy's Tochter Sarah, ihrem Mann und der zehn Monate alten Tochter gewohnt habe. Sie haben ein Haus am Rande von Boulder, von wo aus ich zu Fuß innerhalb von zehn Minuten diverse Wanderwege in den Rocky Mountains erreichen konnte. Das habe ich gleich genutzt und mich trotz Warnung vor Bären und Berglöwen auf den Weg gemacht.
Gesehen habe ich nur einen Koyoten aus der Ferne.  Bisher hatte ich nur einmal einen Koyoten gesehen, den sich mein WWOOFer Kollege Michael in der Pfanne zubereitet hat. Auf meine Nachfrage, ob es üblich sei Koyoten zu essen, hat er mir versichert, dass das nicht der Fall ist.
Im Gegensatz zu den eisigen Temperaturen in Chicago, war es in Boulder richtig warm, rund um die 20 Grad. Wobei mir jeder versicherte, dass dies für die Jahreszeit völlig untypisch ist. Das beeindruckende schon bei der Zugfahrt in Richtung Denver ist, dass sich nach einer unglaublich weiten und unglaublich flachen Ebene sehr abrupt die Rocky Mountains vor einem auftürmen.
Der Blick, den man beim Wandern hat, wenn man nur in paar Meter höher ist, ist unendlich weit.

Boulder selber hat eine große Universität und ist sehr alternativ. Es gibt viele, viele Fahrradwege, supergute Busverbindungen sowohl in der Stadt als auch nach Denver, es gibt Recycling, riesige Ökoabteilungen auch in den gewöhnlichen Supermärkten, ganz abgesehen von den Ökosupermärkten. Die Stadt hat, was äußerst bemerkenswert ist eine Fußgängerzone mit lauter schnuckeligen Läden, neben Kunsthandwerk gibt es bunte Hippie Klamotten, Tibet-Läden und Räucherstäbchen und natürlich nette kleine Cafés und Restaurants.
Meinen Stadtbummel habe ich genutzt, um mal in Ruhe im Buchladen zu schmökern und dabei zu meiner Überraschung festgestellt, dass Walter Moers mit seinen Büchern im Bestseller Regal steht, und dass im Regal über Gärtnern mehrere Bücher über Permakultur zu finden sind.
Heute am frühen Nachmittag bin ich nach Denver aufgebrochen, da ich morgen früh schon um halb sieben am Bahnhof sein muss um den Zug nach San Francisco zu nehmen. Ich bin schon etwas aufgeregt, weil der Zug durch die Rocky Mountains ein echter Höhepunkt meiner Reise ist. Ich hoffe, dass ich einen netten Platz im Sightseeing Wagen ergattern kann. Dieser Wagen hat eine riesige Fensterfront und auch nochmal kleine Fenster an der oberen Kante. Es gibt Einzel- und Doppelsitze, die zu den Fenstern hin ausgerichtet sind. Total genial.
Für Denver selber hatte ich nun nur zwei Stunden bei Tageslicht Zeit. Hier bin ich auf den schönsten Buchladen gestoßen, in dem ich je gewesen bin. Regale, Fußböden und Decken aus altem dunklen Holz und überall stehen alte Sessel, Sofas, Stühle, Tische. Überall sitzen Leute, die Lesen oder sich sonst wie die Zeit vertreiben. Es gibt ein kleines Buchladen Café, wobei man mit seinem Kaffee in Büchern schmökern gehen kann. 

 Hier kann ich mir vorstellen das Bücher lebendig werden. Ich habe den späten Nachmittag dann auch dort  mit Milchkaffee und Brownie verbracht und zum Abendessen nur noch ein paar Möhren geknabbert.
Auf dem Weg zur Hostel hat mich dann noch hier und dort die Weihnachtsbeleuchtung beeindruckt, begleitet von einem Glockenspiel, das englische Weihnachtslieder spielt. 

Dienstag, 7. Dezember 2010

Washington, New York, Chicago

Von der Farm ging es für mich also weiter nach Washington. Das kannte ich ja schon und so war der Kulturschock vom Land in die Stadt nicht ganz so groß. Da ich die meisten Sehenwürdigkeiten und Monumente bereits im September gesehen hatte, standen diesmal die Museen im Vordergrund. In Washington sind dank der Smithsonian Stiftung, die die meisten Museen unterhält, die meisten, nämlich eben diese Museen umsonst. So habe ich mir das Amerikanische Holocaust Museum angesehen, bin durch die Nationalgalery of Arts geschlendert und habe mir in den National Archives die wichtigsten Dokumente Amerikanischer Geschichte, die Declaration of Independence, die Bill of Rights und die Constitution angesehen.
Nach nur zwei Tagen in Washington ging es dann am Montag weiter nach New York. Meine erste Fahrt mit dem berühmten Greyhound-Bus und etwas aufgeregt war ich schon, wie ich meinen Weg mit Sack und Pack von der Greyhound-Station zur Jugendherberge finden würde. An der U-Bahn Haltestelle bin ich auch gleich auf einen freundlichen Amerikaner hereingefallen, der mich fragt, ob er mir helfen könne, mir die U-Bahn Verbindung und den Ticket-Automaten erklärt und dann, dass ihm noch acht Dollar für sein Busticket nach Boston fehlen. Am Samstag in Washington war es eine Frau, die sehr hilfsbereit war und seit drei Tagen nichts mehr gegessen hatte.... Ich habe mir ganz fest vorgenommen, am nächsten Bahnhof nicht mehr auf den Trick hereinzufallen. Mal sehen, ob es klappt. Die Jugendherberge habe ich dann problemlos gefunden. Sie ist in Manhattan, keine zehn Minuten westlich des Centralparks. Sie ist unglaublich groß 670 Betten und ich schlafe in einem 12 Betten Frauen-Schlafsaal. Abgesehen von der Größe, und dass es insgesamt sehr voll und laut ist, die Waschräume hochfrequentiert und irgendwann total feucht sind, wenn pausenlos geduscht wird, ist es eine sehr gute Herberge. Die Reisenden kommen aus aller Welt, viele AustralierInnen, BrasilianierInnen, AsiatInnen, auch Deutsche. Viele sind recht jung, aber es sind auch ältere Generationen vertreten. Von der Hostel aus werden alle möglichen Aktionen angeboten. Ich habe eine geführte Tour nach Midtown und eine nach Harlem, einen Comedy Abend, einen Language Exchange (Jetzt weiß ich was: Wo ist die nächste Bushaltestelle? auf japanisch heißt) und einen Barbesuch mitgemacht. Es war eine einfache Möglichkeit mit anderen in Kontakt zu kommen und interessant Leute kennenzulernen. New York ist so groß und vielseitig, dass es mir schwer viel in den wengen Tagen ein Gefühl dafür zu bekommen. Am ersten Tag erschien es mir einfach groß, laut, unübersichtlich und voll. Am zweiten Tag hat es in einer Tour gegossen. Ich habe auf dem Weg zum Guggenheim Museum einem Straßenverkäufer einen Regenschirm abgekauft, um nicht pladdernaß im Museum anzukommen. Der Schirm war verbogen bevor ich auch nur am Museum angekommen bin. Am dritten Tag und mit der geführten Tour durch Midtown konnte ich mich dann besser mit New York anfreunden. Hier also nun ein paar fotografische Eindrück:
Meine ersten New York-Erkundungen habe ich im Centralpark begonnen. Von dort aus habe ich auch die New Yorker Skyline zum ersten Mal bei Tageslicht gesehen.

Vor dem Regen habe ich es noch geschafft die Brooklyn-Bridge zu Fuß zu überqueren.

 "Alte" Gebäude stehen neben neuen, große neben kleinen. So gibt es überall etwas zu entdecken.
 
Eins der touristischen  Highlights ist natürlich das Empire-State-Building.
 Und besonders spektakulär der Blick von oben auf New York. Leider ist es rattenkalt und sehr, sehr voll.
Von verschiedenen Attraktionen habe ich leider keine Fotos machen können: Das Guggenheim Museum, ein interessantes Gebäude, entworfen von Frank Lloyd Wright habe ich wegen des heftigen Regens nicht fotografiert. Bei meiner Tour vorbei an der Freiheitsstatur hatte ich den Fotoapparat ohne Batterie dabei. Bei der Tour durch die Headquarters der UN, hatte ich den Fotoapparat mit meinem Rucksack zusammenabgegeben, weil ich davon ausging ohnehin keine Fotos machen zu dürfen. Nicht einmal ein Foto des Gebäudes mit den Flaggen aller Nationen konnte ich machen, weil die Flaggen bereits eingeholt worden waren als ich mit meiner Tour zu ende war. Einziges Foto daher das unbeflaggte UN-Gebäude.

 Zum Schluss noch verschiedene Impressionen aus dem weihnachtlichen New York, wenngleich so richtige Weihnachtsstimmung bei mir nicht aufgekommen ist. Anders als bei allen kitschigen New York Weihnachtsfilmen ist es überall sehr voll und hektisch und weniger weihnachtlich, romatisch und beschaulich. 
Der berühmte Weihnachtsbaum im Rockefeller-Center
Der Weihnachtsbaum im Trump-Tower
 Weihnachtsbeleuchtung bei macy's
 Weihnachtsbaum mit Eisbahn beim Weihnachstmarkt im Bryant-Park
Seit Montag nun bin ich in Chicago, wo ich zwei deutsche CIP-Frauen besuche. In Antjes Gastfamilie bin ich the "distinguished German guest" während Antje nach vier Monaten ja schon zur Familie gehört. (Nicht überall wird dreimal die Gastfamilie gewechselt). In Chicago haben wir drei gestern auf dem deutschen  Christkindel-Markt Glühwein getrunken und festgestellt, dass wir die weihnachtliche Gemütlichkeit samt Leckerein ja schon ein wenig vermissen.
Hier hat es am Samstag geschneit und die ganze Stadt liegt unter einer Schneedecke, die Sonne scheint, der Himmel ist blau und alles sieht sehr freundlich aus. Gleichzeitig ist es wirklich kalt. Der See auf der einen Seite und die moderne Architektur und imposante Skyline auf der anderen Seite sind faszinierend.















Sonntag, 28. November 2010

WWOOFing

Auf einer Farm in Pennsylvania (in der Mitte zwischen Cumberland, Maryland und Bedford Pennsylvania) habe ich in der letzten Woche meine ersten wwoofing (Worldwide opportunities on organic farms) gesammelt. Das heißt ich habe für Unterkunft und Verpflegung in Haus, Hof und Garten mitgearbeitet.

Zur Farm gehören Rob und Dawn sowie Cajleb (13 Jahre), Silas (9 Jahre) und Levi (6 Jahre). Außerdem vier Schafe, vier Ziegen
und eine ganze Menge Hennen und Hähne.
 
 
Rob und Dawn haben das Farmhaus, was 30 Jahre leer gestanden hat, vor acht Jahren gekauft und angefangen es in Stand zu setzen, aber es gibt noch sehr, sehr viel zu tun.
Zur Farm gehört außerdem ein Gewächshaus und zwei Folientunnel sowie ein Gemüsegarten, der sich allerdings weitgehend im Aufbau befindet. Rob macht extern Gartenanlagen und insbesondere Pflasterarbeiten. Dawn macht Seife aus Ziegenmilch und sonstige diverse Kosmetika, ansonsten produzieren beide alles mögliche (zur Zeit insbesondere Weihnachtsdeko aus Ton), was dann auf einem Indoor Fleamarket in Cumberland verkauft werden soll.  Auf dem Hof waren außer mir noch zwei volunteers, die beide längere Zeit dort verbringen.
Zu meinen Aufgaben gehörte das morgendliche Füttern der Tiere und die Suche nach Eiern, die leider trotz vieler Hennen recht mager ausfiel. Ansonsten habe ich Wege im Gemüsegarten gemulcht. Pflanzen für den Winter in den neuangelegten Folientunnel gebracht, Unkraut im zweiten Folientunnel gejätet, Geranien umgetopft, eine Stola fertig gewebt und mit Fransen versehen.

Die Familie ist super nett. Das Leben und Arbeiten auf der Farm war improvisiert, chaotisch, kreativ. Mir wäre es auf die Dauer auf jeden Fall zu chaotisch, für eine Woche allerdings war es eine ganz interessante Erfahrung.
Eine besondere Erfahrung war natürlich das Thanksgiving Dinner am Donnerstag. Thankgiving ist für die meisten Amerikaner der wichtigste Feiertag, spätestens ab mittwochs haben die Kinder Ferien, damit sich die Familien versammeln können. Neben dem Zusammensein ist eigentlich nur noch das Essen wichtig. Das typische Thanksgiving Dinner ist turkey mit stuffing (gefüllter Truthahn), dazu gibt es Kartoffelpüree oder/und Süßkartoffeln, Cranberry Sauce, grüne Bohnen, selbstgebackene Brötchen, diverse Salate, zum Nachtisch gibt Pumpkin Pie und verschiedene andere Pies. Zu trinken gibt es Apfelsaft warm oder kalt. Die Reste des Thanksgiving Dinners werden im Laufe des Wochenendes, an dem die Familie ja meist auch noch zusammen ist, verzehrt.
Wir waren zusammen mit der Farmersfamilie bei Robs Eltern gegenüber der Farm eingeladen. Außerdem war die Schwester seiner Mutter und ihr Mann und Robs Schwester mit Mann und drei Kindern dort. So habe ich also ein traditionelles Thanksgiving-Dinner mit Familienanschluß erlebt, was reichhaltig, lecker und gesellig war.


Nach der Farm geht es jetzt erstmal mit Großstadtleben in Jugendherbergen und Überlandfahrten mit Bus und Bahn weiter, aber dazu beim nächsten Mal mehr. Seit gestern bin ich in Washington. Morgen geht es nach New York.

Donnerstag, 18. November 2010

Abschied und Aufbruch

18. November 2010. Heute endet das CIP Programm offiziell. Schon Wahnsinn wie schnell die Zeit, die zwischendurch auch schon mal lang erschien, dann am Ende doch vergeht.
Seit einer Woche bin ich dabei mich zu verabschieden. Letzten Freitag hatte ich den letzten Tag in meiner Praxisstelle, habe ein letztes Mal mit einem Klienten im Dayroom gearbeitet, was allerdings nur eine kurze Episode war, weil der Gute vom Stuhl gefallen ist und danach so aufgelöst war, dass er von seiner Mutter abgeholt wurde. Nach der Mittagspause habe ich dann zum Abschied für die Klienten und Klientinnen noch eine kleine Powerpoint Präsentation über "Germany" gemacht und meine (haselnußfreien) Nußecken verteilt. Nachdem ich in den letzten Wochen ja noch Gelegenheit hatte mir ein paar andere Institutionen anzusehen, andere Arbeitsfelder anzusehen, ein paar Hausbesuche zu begleiten, mit ein paar Leuten zu sprechen, bin ich einigermaßen ausgesöhnt mit meiner Praxisstelle und den Erfahrungen, die ich hier insgesamt machen konnte.

Der große offizielle Abschied vom CIP fand am Sonntag bei einer Farewell Reception statt. Die CIP-Mitglieder hatte sich mal wieder sehr viel Mühe gegeben. Es gab ein kleines Buffet, Geschenke und Urkunden für uns.
 
Geschenke und Dankes-Reden von uns und natürlich noch mal ganz viel Smalltalk, viele kleine Dankeschöns an Gasteltern und CIP-Aktive.
Am Montag hatte Cindy dann meine ehemaligen Gasteltern zur Pottluck-Party eingeladen.

Am Dienstag haben Astrid und ich uns mit einem Vergleich "Soziale Arbeit in den USA und in Deutschland" aus unserem Seminar verabschiedet und sind von unserem Professor mit einem kleinen Ritual verabschiedet worden.

Gestern dann noch ein Kneipen-Abend mit uns CIPlern und Lisa und George, den für Organisation und Koordination Verantwortlichen.
Und zwischendrin:
ein Ausflug nach Falling Water, ein von Frank Lloyd Wright (bekannter amerikanischer Architekt erste Hälfte des 20. Janhunderts) über einen Wasserfall gebautes Haus.

Hang-out in meine Lieblingscafé, dem Blue Moose (Blauer Elch), wie auch grade jetzt,

Square Dance,

nach dreieinhalb Monaten endlich mal wieder ein neuer Haarschnitt, der jetzt natürlich für die nächsten zwei Monate reichen muss,

eine Wanderung mit Cindy's Frauen-Wandergruppe an einem historisch bedeutsamen Ort, der Mason-Dixon-Line,
besorgen von Reiseutensilien: Schloß, Taschenlampe, Zahnpasta und Schlafsack.

Und wie geht es weiter?
Am Samstag bringen Cindy und Larry mich zu einer Organic Farm nach Pennsylvania, ca. 150 km von hier. Dort werde ich eine Woche lang wohnen und arbeiten. Samstag in einer Woche geht es dann mit dem Zug nach Washington und zwei Tage später mit dem Greyhound Bus nach New York. Am Sonntag, den 5. 12. geht es wieder mit dem Zug von New York nach Chicago, wo ich die beiden deutschen CIPlerinnen dort treffen werden. Soweit ist alles gebucht. Von Chicago geht es weiter nach Kalifornien...

Dienstag, 9. November 2010

Buntes Allerlei

Schon seit ein paar Tagen habe ich das Gefühl, es ist Zeit für einen neuen Blog-Beitrag. Seit Halloween ist viel passiert, aber da es viel Kleines und nichts Großes (wie der Grand Canyon oder Halloween) ist, ist es schwieriger darüber zu schreiben bzw. eine Auswahl zu treffen, was meine Blog-Leserinnen und Blog-Leser interessieren könnte. 
Ich widme diesen Beitrag mal dem Thema Ernährung, da gibt es so einiges, was verwundern kann. Der Auslöser: Ich war heute im Supermarkt, um Zutaten für Nussecken zu kaufen, die ich für Freitag, wenn ich meinen letzten Tag bei PACE habe, backen will. Eine Übersetzung für Nussecken gibt es übrigens bei "leo deutsch-englisch" (Internet Wörterbuch) nicht. Verschiedene Foren diskutieren die beste Übersetzung und kommen zu dem Schluss, daß "nutcorner" keine gelungene Übersetzung ist und "nuttriangle" oder "nutslide" eher zutreffen. Beim Einkaufen mußte ich zum einen zum wiederholten Male feststellen, dass es hier keine kleinen Packungsgrößen gibt. Mehl und Zucker gibt es beispielsweise in 1,8 Kilo Größe, Milch für gewöhnlich im 3,78 Liter Kanister. Der höchste Fettgehalt bei Milch ist in der Regel 2%, es gibt aber auch 1% oder fettfreie Milch. Sahne zu kaufen ist im übrigen auch recht schwierig. Als ich vor einiger Zeit in einem kleineren Lebensmittelladen danach fragte, wußte die Kassierin, eine junge Frau, vermutlich eine Studentin, gar nicht, was ich von ihr wollte. Eine Kundin meinte dann ich müsse "half &half" kaufen, was halb Milch und halb Sahne ist. Da ich sie zum Kochen brauchte und nicht für Schlagsahne war es okay. Die Amerikaner scheinen einen gewissen Fett-, Zucker- und Cholesterol-frei oder zumindest -arm Wahn entwickelt zu haben. Statt Zucker gibt es Maissirup, ist billiger, oder Süßstoff, statt Fett gibt es dann Zuckerersatzstoffe oder andere Geschmacksverstärker. Es ist wirklich unglaublich wie lang die Zutatenlisten hier überwiegend sind. Zum Thema cholesterol-frei noch ein Beispiel: Ich war neulich in einer der vielen hiesigen Restaurantketten Mittagessen und das einzige herzhafte vegetarische Gericht, war ein cholesterolfreies Veggie-Omlette. Mhm, yammie! Insbesondere in den amerikanischen Restaurants besteht die Auswahl an vegetarischen Gerichten meist zwischen Veggie-Burger und Veggie Sandwich. Allerdings sind Burger und Sandwiches auch ein offensichtlich sehr beliebtes Essen und dazu gibt es dann natürlich Pommes oder manchmal auch mashed potatos (Kartoffelpüree). Daneben gibt es aber ja auch immer noch die Möglichkeit den Salat ohne Chicken (Huhn) oder Bacon (Speck) zu bestellen und es gibt natürlich auch hier diverse internationale Restaurants, in denen es mit dem vegetarischen Essen dann oft einfacher ist. So komme ich beim Thema Ernährung von Höcksken auf Stöcksken und Ausgangspunkt waren eigentlich die Nussecken und die Tatsache, dass es hier im Supermarkt keine Haselnüsse zu kaufen gab. So gibt es dann also "nutslides" mit Mandeln und Peccanüssen.
Ich mache mal mit dem Thema Essen weiter, diesmal aber in Verbindung mit sozialen Aspekten. Am Samstag hatten wir hier eine kleine "Pottluck-Party". Hier heißt bei Cindy und Larry meiner vierten Gastfamilie. Die beiden sind im Un-Ruhestand. Sie leben, wie schon meine vorherige Familie in Southpark. Pottluck-Parties sind die Parties, zu denen jeder, der kommt etwas mitbringt und sie scheinen hier tatsächlich recht üblich zu sein. Es sind auch gar nicht unbedingt große Parties, man trifft sich einfach bei jemandem zu Hause und jeder bringt etwas zu essen mit. Ich hatte für das Wochenende angekündigt, das Kochen an einem Tag zu übernehmen. Bisher habe ich in allen Familien gekocht: Ratatouille, Quiche natürlich, Currygemüse, Gemüseauflauf, aber eigentlich nie etwas typisch deutsches. Nun wollte ich meine Gastfamilie und Pottluck-Gäste mit traditionell westfälischen Reibekuchen beglücken. Beglücken konnte ich sowohl Gastfamilie als auch Gäste und gelernt habe ich das Reibekuchen nicht nur westfälische Tradition haben. Sie werden als "Latke" ebenfalls mit Apfelmuss traditionell zum jüdischen Chanukka-Fest serviert werden.

Sonntag, 31. Oktober 2010

Ich sitze auf gepackten Koffern. Der Umzug in meine letzte Gastfamilie steht bevor. Heute Nachmittag ziehe ich zu Cindy O'Brien und Larry Harris. Sie wohnen quasi um die Ecke, nur noch ein wenig höher den Berg hinauf. Gerne wäre ich auch einfach hier geblieben, hätte mir das Einpacken und mich noch einmal auf neue Menschen und einen neuen Haushalt einstellen erspart, aber so ist eben das Programm und jetzt geht es so richtig in den Endspurt. Schon eine Weile beschäftige ich mich auch mit meiner Reise danach. Im Moment durchforste ich die Liste der Bio-Höfe und Gärtnereien, die freiwillige Helfer nehmen. Im Nordosten einerseits, denn zunächst will ich ja gerne noch New York und dann wiederum in Kalifornien. Außerdem erkunde ich sämtliche Transportmöglichkeiten Zug, Bus und Flieger, die jeweiligen Preise, Fahrpläne, Buchungsbedingungen etc. Spontane Entscheidungen sind für weite Strecken nicht drin, alles muss vorher gebucht werden und frühes Buchen gibt günstigere Tarife. So werde ich in den nächsten Wochen wohl einige Entscheidungen treffen müssen.
Derweil hat Kerstin ihre Flüge schon gebucht und wird am 23.12. in San Francisco eintreffen und das ist super schön. Außerdem ist meine Visumsverlängerung geregelt. Ich warte nur noch auf die Post.
Während einerseits alles auf das Ende der Zeit hier in Morgantown zusteuert, habe ich mir in der letzten Woche zwei Einrichtungen außerhalb meiner Praxisstelle ansehen können. Ich war am Dienstag, bei der "Division of Rehabilitation Services", der staatlichen Stelle hier in Morgantown, die für die Vermittlung von Menschen mit Behinderung in Arbeit zuständig ist. Hier habe ich endlich mal die allseits hochgelobte amerikanische Freundlichkeit und Offenheit auch im Arbeitszusammenhängen kennengelernt. Für die Beraterinnen und Berater dort war es absolut selbstverständlich, sich Zeit zu nehmen über ihre Arbeit zu berichten, Fragen zu beantworten und sie waren interessiert daran, welche Unterschiede ich zwischen dem amerikanischen und dem deutschen Unterstützungssystem sehe etc. Auch war es hier kein Problem, dass ich einfach mal spontan bei einer Beratung dabei bin. Die Klientin wurde natürlich vorher gefragt.
Am Donnerstag war ich dann noch beim Northern West Virginia Center for Independent Living und dort werde ich auch in der nächsten Woche vermutlich einige Tage hospitieren und außerdem über diese hoffentlich doch endlich noch die Hospitationsmöglichkeit im Center for Excellencies in Disabilities der Universität bekommen. Jan, die Chefin des Center for Independent Living, hält so wenig von PACE, dass sie grade alles daran setzt mir andere Erfahrungen zu ermöglichen. Für mich ist es eine echte Erleichterung, dass jemand meine Skepsis und Kritik gegenüber PACE teilt, weil PACE bei Außenstehenden insgesamt einen guten Ruf hat und ich nie so recht wußte, wie ich mit dem Widerspruch, meiner Kritik einerseits und den positiven Rückmeldungen anderer zu PACE andererseits, umgehen sollte. Außerdem versuche ich grade noch Kontakt zur Morgantowner People First Gruppe zu bekommen. So wird mein Bild über das Leben von Menschen mit Behinderung in West Virginia hoffentlich doch noch etwas runder in den nächsten drei Wochen.
Ansonsten sind es die am Dienstag anstehenden Wahlen, die die Menschen hier sehr beschäftigen. Viele Leute, mit denen ich darüber spreche, haben die große Sorge, dass Obama, bzw. die Demokraten hohe Verluste haben werden. Gleichzeitig scheint der hiesige Kandidat der Demokraten wenig beliebt.
Zum Schluss weil heute Halloween ist noch ein paar Halloween Impressionen. "Trick and Treat" war hier wegen des Wochenendes nämlich schon gestern von 18:00 bis 19:30 Uhr. Die Zeit, wann die Kinder verkleidet durch die Straßen ziehen und Süßigkeiten sammeln, wird hier von der Stadt festgelegt. Ich war mit Annastella bei einer befreundeten Familie drei Blocks weiter unten am Berg, da hier oben nicht so viele Kinder vorbeikommen. So saßen wir dann auf der Veranda, der leuchtende Kürbis zeigt an, wer mitmacht bei Trick and Treat, und haben auf die Kinderscharen gewartet. Die Nachbarschaft hier ist sehr beliebt für Trick und Treat, weil es eine gute Wohngegend mit Bürgersteigen ist. So kommen auch Eltern mit Kindern aus anderen Gegenden hier her. In einem Haus eine Straßenecke weiter wurden ca. 400 Kinder gezählt und ca. 30 Tüten Süßigkeiten ausgegeben.





Und auch vor den Tieren macht Halloween nicht halt.